Die Radio-HPLC Validierung ist eine Pflichtanforderung für jedes Radiopharma-Labor, das radioaktive Arzneimittel nach GMP freigibt. Sie unterscheidet sich grundlegend von der klassischen Methodenvalidierung nach ICH Q2(R2) (gültig seit Juni 2024, ersetzt ICH Q2(R1)): Kurzlebige Radionuklide wie ¹⁸F (Halbwertszeit 110 min) machen klassische Präzisions- und Richtigkeitsstudien unmöglich, die Methodenvalidierung in der Radiopharmazie erfordert daher angepasste Parameter wie Wiederfindung statt Richtigkeit und Wiederholbarkeit statt Reproduzierbarkeit. Die relevanten Regelwerke sind Ph. Eur., GMP Annex 3 und die EANM-Leitlinie zur Validierung radioanalytischer Methoden (Gillings et al. 2020). Wer diese Anforderungen kennt und systematisch umsetzt, validiert seine radiochemische Reinheit per Radio-HPLC beim ersten Anlauf, audit-sicher und ohne kostspielige Nacharbeit.

⚠️ Wichtig: Seit Juni 2024 gilt die ICH Q2(R2). Die ICH Q2(R1) ist nicht mehr gültig. Was sich konkret geändert hat und was das für deine Validierungsprotokolle bedeutet, findest du im Artikel: ICH Q2(R2) vs. Q2(R1): Was hat sich geändert? →

Zusammenfassung des Artikels zur Radio-HPLC Validierung

  • Die Radio-HPLC Validierung muss den Vorgaben von ICH Q2(R2), Ph. Eur., GMP-Annex 3 und den EANM-Leitlinien entsprechen.
  • Eine vollständige Validierung ist erforderlich, wenn keine entsprechende Ph.-Eur.-Monographie vorliegt; andernfalls kann eine Methodenverifizierung ausreichen.
  • Zu den wichtigsten Parametern gehören Wiederfindung, Spezifität, Linearität, Wiederholpräzision, Bestimmungsgrenze (LOQ), Robustheit und Systemeignung.
  • Die Bestimmung der Richtigkeit ist nicht immer möglich, da kein radioaktiver Referenzstandard zur Verfügung steht; als bestmögliche Alternative dient der „kalte“ Standard.
  • Die Bestimmungsgrenze (LOQ) hängt vom Radiodetektor und dessen Empfindlichkeit ab.
  • Die Wiederfindungsrate wird zuerst bewertet und muss typischerweise im Bereich von 90-110 % liegen; bei kurzlebigen Radionukliden ist eine Zerfallskorrektur unerlässlich.
  • Die Validierungsdokumentation muss Protokolle, Rohdaten, Chromatogramme, Akzeptanzkriterien, die Freigabe durch die Qualitätssicherung (QS) sowie Anforderungen an eine Revalidierung umfassen.

Inhalt

Die relevanten Regelwerke im Überblick

Für die Radio-HPLC Validierung in der Radiopharmazie gelten folgende Regelwerke, und alle müssen im Validierungsprotokoll adressiert werden:

RegelwerkInhaltRelevanz
ICH Q2(R2) (Juni 2024)Validierung analytischer Methoden (aktuelle Version)Pflichtbasis; ersetzt Q2(R1)
ICH Q14Methodenentwicklung, verknüpft mit Q2(R2)Robustheit & Entwicklungsdaten
Ph. Eur. 2.2.46Chromatographische Trennmethoden allgemeinGrundlage für Methodenparameter
Ph. Eur. 2.1.66RadioaktivitätsmessungKalibrierung und Detektionseffizienz
GMP Annex 3Herstellung von RadiopharmakaProzess- und Methodenvalidierung
GMP Annex 15Qualifizierung und Validierung allgemeinValidierungsplanung und -dokumentation
EANM-Leitlinie (Gillings et al. 2020)Validierung radioanalytischer MethodenPraktische Orientierung, spezifisch für Radiopharmaka
StrahlenschutzrechtStrlSchG, StrSchV (Deutschland)Strahlenschutz im Validierungsprozess

Wichtig: Die EANM-Leitlinie (Gillings et al., EJNMMI Radiopharmacy and Chemistry, 2020) ist das bisher einzige dedizierte Dokument, das die Validierung radioanalytischer Methoden spezifisch für Radiopharmaka adressiert und ICH Q2 um Radiopharmazie-spezifische Anforderungen ergänzt.

Wann muss validiert werden? Und wann reicht eine Verifizierung?

Ein wichtiger Punkt, der in der Praxis oft unklar ist:

  • Validierung (Validation) ist erforderlich, wenn keine Ph. Eur.-Monographie für das Radiopharmakum existiert oder wenn diese von der Monographie abweicht
  • Verifizierung (Verification) reicht, wenn eine Ph. Eur.-Monographie existiert und befolgt wird. Dann muss lediglich nachgewiesen werden, dass die Methode im eigenen Labor korrekt implementiert ist (z. B. Systemsuitability, Detektorlinearität, LOQ)
  • Über 70 Ph. Eur.-Monographien für Radiopharmaka existieren aktuell. Für alle anderen Produkte ist eine vollständige Validierung erforderlich

Die Validierungsparameter für Radio-HPLC nach EANM und ICH Q2(R2)

Die EANM-Leitlinie (Gillings et al. 2020) definiert für die radio-HPLC radiochemische Reinheit, Limit Test und Identität folgende Validierungscharakteristika:

ParameterRadiochemische Reinheit (Radio-HPLC)Radiochemische Reinheit
(Limit Test)
Radiochemische Identität
(Radio-HPLC)
Anmerkung
Richtigkeit
( Wiederfindung)
++Ersatz für klassische Richtigkeit
Präzision (Repeatability)(+)Nicht immer möglich bei kurzen t½
Intermediäre Präzision(+)Nicht immer möglich
Spezifizät+++Pflicht
Nachweisgrenze+Nicht gefordert, ausser bei Limit Test
Bestimmungsgrenze (LOQ)+Pflicht für RCP
Linearität+Pflicht für RCP
Range+Pflicht für RCP

(+ = normalerweise gefordert; (+) = nicht immer möglich; – = nicht gefordert)

Du willst die 7 Unterschiede Radio-HPLC Grundlagen wissen? Jetzt kostenloser Zugang zur Wissensdatenbank →

1. Wiederfindung (Recovery): der wichtigste erste Schritt

Die Recovery muss vor allen anderen Validierungsparametern bestimmt werden. Dies ist eine Radiopharmazie-spezifische Anforderung, die in der klassischen ICH-Q2-Validierung so nicht existiert.

Warum? Bestimmte radioaktive Verunreinigungen (z. B. [¹⁸F]fluorid, [⁶⁸Ga]gallium-Ionen) können im Injektionssystem, in Vorfiltern, im Säulenmaterial oder in Schläuchen zurückgehalten werden. Wenn nicht die gesamte injizierte Radioaktivität eluiert wird, ist die RCP-Berechnung fehlerhaft.

Praktische Methoden zur Recovery-Bestimmung:

  • Vergleich der injizierten Radioaktivität mit der eluierten Radioaktivität (Fraktionensammlung)
  • Bypass-Analyse: Probe fließt direkt durch den Radiodetektor (ohne Säule), Peakflächen werden verglichen, nach Zerfallskorrektur
  • Spike-Recovery: Probe wird mit bekannter Menge radioaktiver Verunreinigung (z. B. [¹⁸F]fluorid) gespikt

Akzeptanzkriterium: Recovery 90-110 % (EANM-Leitlinie)

2. Spezifität (Specificity)

Die Spezifität, also die Fähigkeit der Methode, den Hauptpeak eindeutig von radioaktiven Verunreinigungen zu trennen, ist vollständig validierbar und gefordert.

Praktische Durchführung:

  • Nachweis der Basislinientrennung des Hauptpeaks von bekannten radioaktiven Verunreinigungen
  • Akzeptanzkriterium: Auflösung Rs > 1,5 (Basislinientrennung bevorzugt)
  • Validierung primär mit nicht-radioaktiven Referenzsubstanzen (Cold Standards), zeitlich flexibel
  • Bei nicht verfügbaren Cold Standards: zweite orthogonale HPLC-Methode (andere Säule oder mobile Phase) zur Bestätigung

Wichtig: Bestimmte radioaktive Verunreinigungen wie [¹⁸F]fluorid können an HPLC-Säulen adsorbieren und starkes Peak-Tailing zeigen, dies muss in der Spezifitätsprüfung berücksichtigt werden.

3. Linearität (Linearity)

Die Linearität des Radiodetektors muss im relevanten Aktivitätsbereich (in kBq oder MBq) nachgewiesen werden, nicht über Substanzkonzentrationen wie in der klassischen HPLC.

Praktische Durchführung:

  • Mindestens 5 Aktivitätsstufen über den gesamten Messbereich (von LOQ bis zur maximalen erwarteten Probenaktivität)
  • Auftragung der gemessenen gegen die berechneten Aktivitäten
  • Akzeptanzkriterium: Korrelationskoeffizient R ≥ 0,99
  • Totzeit-Korrekturen des Detektors bei hohen Zählraten berücksichtigen
  • Die Linearität des Radiodetektors ist oft Teil der Gerätekalibrierung (OQ/PQ), diese Daten können für die Methodenvalidierung genutzt werden

4. Präzision (Repeatability)

Repeatability sollte durch sequenzielle Analyse von mindestens 6 homogenen Proben des Radiopharmakums bestimmt werden, mit einer Aktivitätskonzentration nahe der Routineanalyse.

Zerfallskorrektur ist Pflicht: Peak-Flächen müssen auf T₀ korrigiert werden:

A0 = A * e-𝜆t

Dabei gilt: A₀ = korrigierte Peakfläche, A = gemessene Peakfläche, t = Zeitintervall in Minuten zwischen der betrachteten Injektion und der ersten Injektion, λ = Zerfallskonstante (ln2/t½)

Akzeptanzkriterium: RSD ≤ 2 % für Retentionszeiten; für RCP-Werte: Spezifikation in absoluten Prozentpunkten, z. B. RCP ± 0,5 %

Intermediate Precision: Da HPLC-Systeme in der Regel automatisiert sind, kann das Weglassen der Intermediate Precision begründet werden, es sei denn, manuelle Injektionen werden durchgeführt. Alternativ: verschiedene Analytiker werten dieselben Chromatogramme aus (manuelle Integration ist subjektiv).

5. Richtigkeit (Accuracy)

Die Richtigkeit zu bestimmen, ist nicht immer möglich, da kaum zertifizierte radioaktive Referenzstandards verfügbar sind. Recovery tritt an die Stelle der klassischen Richtigkeit. Das ist die Radiopharmazie-spezifische Lösung. Achtung: Nicht zu verwechseln mit der Richtigkeit des Detektors. Diese wird mit einem Kalibrierstrahler während Qualifierung und Requalifizierung durchgeführt.

Praktische Ansätze:

  • Wenn die Identität radioaktiver Verunreinigungen bekannt ist und Cold Standards verfügbar sind: Spike-Recovery-Experimente mit verschiedenen Verunreinigungskonzentrationen (z. B. 1 %, 3 %, 5 % [¹⁸F]fluorid)
  • Wenn keine radioaktiven Referenzstandards verfügbar: Accuracy wird aus der Cold-Standard-Validierung abgeleitet (unter Berücksichtigung der Radiodetektoreigenschaften)
  • Ergänzende Radio-TLC-Methode zur Verifikation der Radio-HPLC-Ergebnisse empfohlen

Akzeptanzkriterium: Recovery 90-110 %

6. Bestimmungsgrenze (Limit of Quantification: LOQ)

Die Bestimmungsgrenze ist in der Radio-HPLC Validierung besonders relevant, da die erwarteten Aktivitäten radioaktiver Verunreinigungen sehr gering sind. Sie ist abhängig vom Radiodetektor-Typ.

radio hplc validierung radio trace
Abbildung 1: Radiosignal unterhalb der Bestimmungsgrenze (LOQ): Für die Radio-HPLC Validierung zu wenig injiziert.

Besonderheit: LOQ wird in absoluter Radioaktivität (kBq oder MBq/ml) angegeben, nicht als Konzentration. Der LOQ muss so definiert sein, dass kleine radioaktive Verunreinigungen (z. B. 0,5 % der Gesamtaktivität) noch zuverlässig quantifiziert werden können.

Praktische Bestimmung:

  • Proben mit bekannter Radioaktivität werden durch Zerfall auf niedrige Aktivitätsniveaus gebracht und dann analysiert
  • Akzeptanzkriterium: Signal-zu-Rausch-Verhältnis S/N ≥ 10

Hinweis: Detection Limit (LOD) ist für Radio-HPLC-RCP-Bestimmungen laut EANM-Leitlinie nicht gefordert.

7. Robustheit (Robustness)

Neu in ICH Q2(R2): Robustheit wird primär während der Methodenentwicklung evaluiert (verknüpft mit ICH Q14) und nicht mehr zwingend als Teil der formalen Validierungsstudie, muss aber dokumentiert sein.

Zu testende Parameter für Radio-HPLC:

  • Flussrate (± 0,1 mL/min)
  • Zusammensetzung der mobilen Phase (± 2 % organischer Anteil)
  • pH-Wert des Puffers (± 0,1)
  • Säulentemperatur (± 1-2 °C)
  • Säulencharge (mindestens 2 verschiedene Chargen)
  • Robustheit der Peakintegration: Vergleich der Chromatogramm-Auswertung durch verschiedene Analytiker (manuelle Integration kann subjektiv sein)

8. Systemeignung (System suitability: SST)

Die Systemsuitability ist nach Ph. Eur. 2.2.46 und GMP-Anforderungen vor jeder Analysenserie verpflichtend und muss im Batch Record dokumentiert sein.

Typische Systemsuitability-Parameter:

  • Retentionszeit des Referenzpeaks (Akzeptanzkriterium: ± 2 % vom Sollwert)
  • Auflösung (Rs) kritischer Peakpaare (Rs ≥ 1,5)
  • Peaksymmetrie / Tailing-Faktor (T ≤ 2,0)
  • Detektionseffizienz des Radiodetektors (innerhalb kalibrierter Grenzen)
  • Hintergrundaktivität (unterhalb definierter Grenzwerte)

Validierungsdokumentation: Was Auditoren sehen wollen

1. Validierungsplan (VP)

  • Beschreibung der Methode und ihres Verwendungszwecks
  • Auflistung aller zu validierenden Parameter mit Begründung
  • Explizite Referenz auf ICH Q2(R2) (nicht mehr Q2(R1)) und EANM-Leitlinie
  • Begründung für Abweichungen von ICH Q2(R2) (z. B. Intermediate Precision nicht durchführbar wegen kurzer t½)
  • Akzeptanzkriterien für jeden Parameter
  • Verantwortlichkeiten und Zeitplan

2. Validierungsprotokoll (VB)

  • Rohdaten aller Validierungsexperimente
  • Zerfallskorrekturen vollständig dokumentiert mit Formel, Halbwertszeit und Referenzzeitpunkt
  • Chromatogramme (UV und Radio) als Anhang
  • Recovery-Daten als erster Abschnitt

3. Validierungsbericht (VR)

  • Zusammenfassung aller Ergebnisse gegen Akzeptanzkriterien
  • Schlussfolgerung: Methode validiert / nicht validiert
  • Freigabe durch QA

4. Revalidierungsplan

Revalidierung ist laut EANM-Leitlinie erforderlich bei:

  • Änderungen im Herstellungsprozess (andere Verunreinigungen möglich)
  • Änderungen in der Produktzusammensetzung (höhere Aktivität, andere Hilfsstoffe)
  • Wesentlichen Änderungen der analytischen Methode (z. B. neue Säule mit anderer stationärer Phase, signifikante Änderungen des Eluenten)

Häufige Fehler bei der Radio-HPLC Validierung

Fehler 1: Noch auf ICH Q2(R1) referenziert
Seit Juni 2024 gilt ICH Q2(R2). Validierungsprotokolle mit Q2(R1)-Verweis sind formal veraltet und können bei Audits beanstandet werden.

Fehler 2: Recovery nicht bestimmt
Die Recovery-Bestimmung ist der erste und wichtigste Schritt der Radio-HPLC-Validierung, und wird am häufigsten vergessen oder als Teil der Systemsuitability missverstanden.

Fehler 3: Keine Zerfallskorrektur in der Präzisionsbestimmung
Peak-Flächen ohne Zerfallskorrektur auf T₀ führen zu systematisch verfälschten RSD-Werten.

Fehler 4: Linearität des Radiodetektors nicht validiert
Der Radiodetektor wird oft als „gegeben“ angenommen. Ohne Linearitätsnachweis im relevanten Aktivitätsbereich (R ≥ 0,99) ist die Validierung unvollständig.

Fehler 5: Kein Revalidierungsplan
Validierung ist kein einmaliges Ereignis. Ohne definierten Revalidierungsplan fehlt die GMP-konforme Grundlage für Methodenänderungen.

Fehler 6: Systemsuitability nicht im Batch Record dokumentiert
Mündliche Bestätigung reicht nicht. Jede Systemsuitability-Prüfung muss lückenlos dokumentiert sein.

Fazit: Radio-HPLC Validierung braucht einen aktuellen, eigenen Ansatz

Die Methodenvalidierung in der Radiopharmazie ist kein vereinfachtes ICH-Q2-Protokoll, sie ist eine eigenständige Disziplin mit angepassten Parametern, spezifischen Regelwerken und besonderen Dokumentationsanforderungen. Mit der Einführung von ICH Q2(R2) (Juni 2024) und der EANM-Leitlinie als praktischem Rahmen ist die regulatorische Grundlage heute klarer als je zuvor.

Wer diese Unterschiede kennt, die Recovery als ersten Schritt setzt, Zerfallskorrekturen konsequent anwendet und auf die aktuellen Regelwerke referenziert, validiert seine Radio-HPLC-Methode beim ersten Anlauf, ohne teure Nacharbeiten und ohne Audit-Findings.

FAQ: Radio-HPLC Validierung

Welche Leitlinie gilt aktuell für die Validierung von Radio-HPLC-Methoden?

Seit Juni 2024 gilt ICH Q2(R2) als aktuelle Validierungsleitlinie, sie ersetzt ICH Q2(R1). Ergänzend ist die EANM-Leitlinie (Gillings et al. 2020, EJNMMI Radiopharmacy and Chemistry) der spezifische Standard für radioanalytische Methoden in der Radiopharmazie. Beide Dokumente müssen im Validierungsprotokoll referenziert werden.

Was ist der Unterschied zwischen Validierung und Verifizierung in der Radio-HPLC?

Wenn eine Ph. Eur.-Monographie für das Radiopharmakum existiert und befolgt wird, reicht eine Verifizierung (Nachweis der korrekten Implementierung im eigenen Labor). Wenn keine Monographie existiert oder davon abgewichen wird, ist eine vollständige Validierung erforderlich.

Warum muss die Recovery zuerst bestimmt werden?

Weil radioaktive Verunreinigungen (z. B. [¹⁸F]fluorid) an Säulenmaterial, Filtern oder Schläuchen haften können. Wenn nicht die gesamte injizierte Aktivität eluiert wird, ist die RCP-Berechnung systematisch fehlerhaft, alle anderen Validierungsparameter wären dann bedeutungslos. Akzeptanzkriterium: Recovery 90-110 %.

Wie oft muss eine Radio-HPLC-Methode revalidiert werden?

Laut EANM-Leitlinie ist eine Revalidierung erforderlich bei: Änderungen im Herstellungsprozess, Änderungen der Produktzusammensetzung, wesentlichen Änderungen der analytischen Methode (z. B. neue Säule mit anderer stationärer Phase). Zusätzlich sollten Trendanalysen der Systemsuitability-Daten auf Methodendrift überwacht werden.

Kann ich mein altes ICH Q2(R1)-Validierungsprotokoll weiterhin verwenden?

Formal nein! ICH Q2(R2) gilt seit Juni 2024. Bestehende Protokolle sollten im Rahmen der nächsten Revalidierung aktualisiert werden. Der inhaltliche Unterschied ist für die meisten Radio-HPLC-Validierungen überschaubar, aber der Verweis auf die aktuelle Leitlinie ist bei Audits relevant.

Was fordert GMP Annex 3 speziell für die Validierung in der Radiopharmazie?

GMP Annex 3 fordert, dass alle analytischen Methoden zur Chargenfreigabe validiert sein müssen. Er erkennt an, dass für Radiopharmaka angepasste Validierungsmerkmale verwendet werden können, verlangt aber eine explizite Begründung im Validierungsprotokoll.

Quellen

  • Gillings N. et al. (2020): EANM guideline on the validation of analytical methods for radiopharmaceuticals. EJNMMI Radiopharmacy and Chemistry 5:7. DOI: 10.1186/s41181-019-0086-z
  • ICH Q2(R2): Guideline on validation of analytical procedures. EMA/CHMP/ICH/82072/2006. Gültig ab 14. Juni 2024.
  • European Pharmacopoeia: Ph. Eur. 2.2.43, 2.2.46, 2.1.3
  • EU GMP Annex 3: Manufacture of Radiopharmaceuticals

Nächster Schritt: Radio-HPLC Wissen strukturiert aufbauen

Du möchtest die Radio-HPLC Validierung in deinem Labor sicher und audit-fest umsetzen, nach ICH Q2(R2), EANM-Leitlinie und GMP Annex 3?

In der kostenlosen HPLC Wissensdatenbank inklusive die Radio-HPLC Validierung der HPLC-Academy lernst du:

✅ Den systematischen Aufbau von Radio-HPLC und Detektoren
✅ Viele Videos selbstgesteuert lernen, Anleitungen, Checklisten und Praxisbeispiele
✅ Die Validierungsanforderungen nach Ph. Eur., ICH Q2(R2) und GMP Annex 3 praxisnah erklärt
✅ Die häufigsten Validierungsfehler und wie du sie von Anfang an vermeidest
✅ Als Bonus: Der HPLC Detektor Guide (PDF)

Kostenlos. Sofort verfügbar. Kein Spam.

👉 Jetzt kostenloser Zugang zur Wissensdatenbank →

Oder du möchtest deine bestehenden Radio-HPLC-Methoden und Validierungsdokumente von einem Experten bewerten lassen?

👉 Validierungs-Audit anfragen →


Über den Autor

Dominic Franck ist HPLC-Spezialist mit über 15 Jahren Erfahrung in der Pharma- und Radiopharmaindustrie und Gründer der HPLC-Academy. Die Radio-HPLC Validierung hat er vor über 11 Jahren an der University of Cambridge und ETH Zürich gelernt und weiter ausgebaut und zum Thema Veröffentlichungen geschrieben. Er war Abteilungsleiter Analytik und hat zahlreiche HPLC-Validierungen und Audits begleitet. Er vermittelt auf seinem YouTube-Kanalpraxisnah den Umgang mit der HPLC und verrät die Trick und Kniffe beim Troubleshooting. Mit der HPLC-Academy und dem spezialisierten Radio-HPLC-Modul hilft er User, Analytiker und QC-Leiter, ihre Methoden beim ersten Anlauf zu entwickeln, optimieren, validieren und Audits mit Zuversicht zu bestehen.

YouTube | LinkedIn | HPLC-Academy

Zuletzt aktualisiert: August 2026