Koinzidenzdetektor und Plastikszintillator sind zwei Typen der Radio-HPLC Detektor für PET, welche erhebliche Unterschiede in Funktionsprinzip, Sensitivität, Platzbedarf und Kosten haben. Beide Typen sind nur für PET-Isotope geeignet. Der Plastikszintillatordetektor misst direkt die Beta-Partikel, wohingegnen der Koinsidenzdetektor nur die durch Annihilation erzeugten zwei gegenüberliegende 511-keV-Photonen als Signal wertet. Plastikszintillatordetektor ist für die Routine-PET-Qualtiätskontrolle wegen keiner periodischen Kalibrierung, geringer Anschaffungskosten und einfacher Handhabung. Der Koinzidenzdetektor überzeugt mit einer sehr geringen Bestimmungsgrenze, was für Metabolitenbestimmung und Analyse nach langer Zerfallszeit hervorragend ist.
Inhaltsverzeichnis
Beim Aufbau oder modernisierung eines PET-Zentrum stellt sich die Frage nach dem Radiodetektor für die Radio-HPLC. Ich stand schon selbst vor der Entscheidung. Was ist besser? Koinzidenzdetektor oder Plastikszintillator? Beide Detektortypen sind für PET-Isotope geeignet. Sie unterscheiden sich aber erheblich in Sensitivität, Aufwand, Platzbedarf und Kosten. Die falsche Wahl bedeutet entweder unnötige Komplexität oder eine Methode, die bei niedrigen Aktivitäten an ihre Grenzen stößt.
Hintergrund: Warum beide Detektoren nur für PET funktionieren
PET-Isotope (¹⁸F, ¹¹C, ⁶⁸Ga, ¹³N, ⁸⁹Zr u. a.) zerfallen durch Positronenemission (β⁺). Das emittierte Positron annihiliert sofort mit einem Elektron aus dem umgebenden Material und erzeugt dabei zwei 511-keV-Gammaphotonen, die gleichzeitig in exakt entgegengesetzte Richtungen emittiert werden, wie in der Abbildung 1 dargestellt.

Dieser physikalische Mechanismus, die Annihilation, ist die Grundlage beider Detektortypen:
- Der Plastikszintillator detektiert die Positronen direkt, bevor sie annihilieren (oder die entstehenden 511-keV-Photonen über Compton-Streuung)
- Der Koinzidenzdetektor nutzt die beiden gegenüberliegenden 511-keV-Photonen als Erkennungsmerkmal
Der Plastikszintillator/PMT ist primär für Beta- und Positronenemitter geeignet und kann unter geeigneten Messbedingungen auch das Beta-Signal von ¹⁷⁷Lu erfassen. Der Koinzidenzdetektor ist dagegen speziell für Positronenemitter ausgelegt, da er die beiden 511-keV-Annihilationsphotonen in Koinzidenz nachweist. Für reine Gammaemitter wie ⁹⁹ᵐTc und ¹²³I sowie für den Gamma-Nachweis von ¹⁷⁷Lu wird ein geeigneter Gamma-Detektor benötigt, beispielsweise NaI(Tl).
Der Plastikszintillator-Beta-Detektor
Funktionsprinzip
Ein Plastikszintillator ist ein organisches Polymer, das bei Wechselwirkung mit ionisierender Strahlung Lichtblitze emittiert. Die HPLC-Messzelle ist im direkten Kontakt mit dem Szintillatormaterial. Betapartikel aus PET-Isotopen haben eine kurze Reichweite. Sie deponieren ihre Energie vollständig im Plastikszintillator.
Da Gammaphotonen aus der Umgebung den Plastikszintillator meist ohne Wechselwirkung passieren, ist der Hintergrund sehr niedrig, ohne aufwändige Bleiabschirmung.
Stärken
- Kompakt und leicht: Kein Blei, kein schweres Gehäuse, einfache Integration in bestehende HPLC-Systeme
- Keine periodische Kalibrierung erforderlich, geringerer Qualifizierungsaufwand
- Niedriger Hintergrund durch geringe Gamma-Wechselwirkung des Plastikszintillators
- Einfache Bedienung: Wenige Parameter, robuster Betrieb
- Geringere Anschaffungskosten im Vergleich zum Koinzidenzdetektor
Grenzen
- LOQ typischerweise im Bereich 500-4.000 Bq, abhängig von Zellvolumen und Flussrate [Gillings 2020]
- Nicht geeignet für sehr niedrige Aktivitäten (späte Messzeitpunkte, verdünnte Plasmaproben)
- Keine Energiediskriminierung: Alle Betaereignisse werden gezählt, keine Möglichkeit zur Isotopenidentifikation über Energiefenster
- Nicht geeignet für SPECT-Isotope oder ¹⁷⁷Lu oder Therapieradionuklide
Typische Anwendung
Standard-QC-Analyse von PET-Radiopharmaka: ¹⁸F-FDG, ¹⁸F-PSMA, ⁶⁸Ga-PSMA, ⁶⁸Ga-DOTATOC, ¹¹C-Cholin. Die Aktivitäten bei der Freigabemessung liegen typischerweise im Bereich von mehreren kBq bis MBq, weit oberhalb des LOQ des Plastikszintillators.
Der Koinzidenzdetektor
Funktionsprinzip
Ein Koinzidenzdetektor besteht aus zwei Szintillationskristallen (BGO), die sich im Winkel von 180° gegenüberstehen, mit der HPLC-Messzelle dazwischen. Jeder Kristall (meist BGO) ist mit einem Photomultiplier (PMT) oder Silizium-Photomultiplier (SiPM) verbunden.
Ein Signal wird nur dann registriert, wenn beide Kristalle innerhalb eines sehr engen Zeitfensters (typischerweise 5-20 Nanosekunden) gleichzeitig ansprechen. Dieses Koinzidenzfenster entspricht genau dem physikalischen Mechanismus der PET-Annihilation: Beide 511-keV-Photonen treffen nahezu gleichzeitig auf die gegenüberliegenden Kristalle.

Hintergrundgammaphotonen aus der Umgebung, treffen mit extrem geringer Wahrscheinlichkeit beide Kristalle gleichzeitig und erzeugen kein Signal.
Stärken
- Dramatisch reduzierter Hintergrund durch Koinzidenzbedingung
- LOQ unter 100 Bq erreichbar, bis zu einer Größenordnung besser als der Plastikszintillator
- Ideal für Metabolitenanalysen in Plasmaproben mit sehr niedrigen Aktivitätskonzentrationen
- Ideal für späte Messzeitpunkte nach mehreren Halbwertszeiten
- Weniger Abschirmung erforderlich als NaI(Tl), mehr als Plastikszintillator
Grenzen
- Höhere Anschaffungskosten als Plastikszintillator
- Komplexere Elektronik (Koinzidenzlogik, Zeitfenstereinstellung)
- Ausschließlich für PET-Isotope, keine Flexibilität für SPECT oder Therapieisotope
- Größerer Platzbedarf als Plastikszintillator
Typische Anwendung
- Metabolitenanalyse im Plasma für ¹⁸F und ¹¹C
- Qualitätskontrolle bei sehr niedrigen Aktivitäten (z. B. nach langer Zerfallszeit)
- Forschungsanwendungen mit hohen Anforderungen an die Nachweisgrenze
- Bevorzugt für schnelle Messung zusammen mit U(H)PLC [Franck 2009]
Direkter Vergleich: Koinzidenzdetektor vs. Plastikszintillator
| Kriterium | Plastikszintillator | Koinzidenzdetektor |
|---|---|---|
| Detektion | Primär Beta- und Positronemitter | Speziell für Positronemitter, da beide 511-keV-Annihilationsprotonen gegenüber detektiert werden |
| Isotope1 | PET (¹⁸F, ¹¹C, ⁶⁸Ga) auch high beta-Emitter wie 177Lu, 131I (POMO Nova) | PET (¹⁸F, ¹¹C, ⁶⁸Ga) auch für Gamma, 125I, 35S, 33P u.v.m. mit spezieller Zelle2 |
| LOQ (typisch) | 500 – 4.000 Bq [Thonon 2013] | < 100 Bq |
| Hintergrund | Niedrig | Sehr niedrig |
| Abschirmung | Minimal | Gering (weniger als NaI) |
| Kalibrierung | Keine | Zeitfensterkalibrierung (Energiefensterkalibrierung falls NaI) |
| Komplexität | Einfach | Mittel |
| Platzbedarf | Klein | Mittel |
| Kosten | Geringer | Höher |
| Metabolitenanalyse | Eingeschränkt | ✅ Optimal |
| Routine-QC | ✅ Optimal | Möglich, aber überdimensioniert |
2 Beratung für die richtige Zelle auf Anfrage beim Hersteller,
ggf. ist Flüssigszintillator und Pumpe notwendig
Wann welcher Detektor?
Plastikszintillator: die richtige Wahl, wenn:
- Das Labor ausschließlich Standard-PET-QC durchführt (Freigabe von ¹⁸F-FDG, ⁶⁸Ga-PSMA etc.)
- Die Aktivitäten bei der Messung oberhalb von 1 kBq liegen
- Einfachheit, Kompaktheit und geringer Wartungsaufwand Priorität haben
- Das Budget begrenzt ist und keine Metabolitenanalysen geplant sind
Koinzidenzdetektor: die richtige Wahl, wenn:
- Metabolitenanalysen in Plasma oder anderen Körperflüssigkeiten durchgeführt werden
- Messungen bei sehr niedrigen Aktivitäten (< 500 Bq) erforderlich sind
- Späte Messzeitpunkte nach mehreren Halbwertszeiten analysiert werden müssen
- Höchste Anforderungen an die Methodenemfindlichkeit bestehen (z. B. Forschungslabore)
- Anforderung an schnelle Messung wie bei U(H)PLC
Kann man beide kombinieren?
Ja, einige Systeme erlauben den Wechsel zwischen Plastikszintillator- und Koinzidenzmodus in derselben Hardware. Das gibt maximale Flexibilität: Routine-QC im Plastikszintillatormodus, Metabolitenanalysen im Koinzidenzmodus.
Wenn dein Labor jedoch ausschließlich Standard-QC betreibt, ist diese Flexibilität in der Praxis selten notwendig und rechtfertigt die Mehrkosten nicht.
Fazit: Radio-HPLC Detektor für PET
Koinzidenzdetektor und Plastikszintillator-Radio-HPLC-Detektor sind für PET-Isotope verwendbar. Der Koinzidenzdetektor kann je nach Detektorzelle für andere Radioisotope verwendet werden. Die Hauptunterschiede liegen in der Funktion, Aufwand und Kosten. Der Plastikszintillatordetekor ist für die Routine-QC mit niedrigem Hintergrund und einfacher Handhabung die kostengünstige Lösung. Der Koinzidenzdetektor ist für Metabolitenanalyse und sehr niedrige Aktivitäten geeignet, kostet aber mehr in der Anschaffung. Vorzugsweise ist der Koinzidenzdetektor der Detektor für U(H)PLC-Anwendungen mit schneller Laufzeit zu verwenden. Für SPECT oder ¹⁷⁷Lu taugt keiner von beiden, dafür ist ein NaI(Tl)-oder BGO-Detektor erforderlich.
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FAQ: Häufig gestellte Fragen
Ist der Koinzidenzdetektor immer besser als der Plastikszintillator?
Nein, er ist sensitiver, aber nicht universell besser. Für Standard-PET-QC mit Aktivitäten im kBq-Bereich ist der Plastikszintillator vollkommen ausreichend und deutlich einfacher zu betreiben. Der Koinzidenzdetektor ist dann überlegen, wenn sehr niedrige Aktivitäten (< 500 Bq) quantifiziert werden müssen.
Können beide Detektoren für ¹⁷⁷Lu eingesetzt werden?
Nein. ¹⁷⁷Lu ist ein reiner Betastrahler mit Gamma-Koemission, kein PET-Isotop. Weder Plastikszintillator noch Koinzidenzdetektor sind für ¹⁷⁷Lu geeignet. Hier ist ein NaI(Tl)-Gammadetektor erforderlich, der die charakteristischen 208-keV-Gammaphotonen des ¹⁷⁷Lu detektiert.
Was bedeutet LOQ < 100 Bq für die Praxis?
Ein LOQ von 100 Bq bedeutet, dass Peaks mit einer Radioaktivität von 100 Bq noch sicher quantifiziert werden können. In der Praxis ist das relevant für Metabolitenanalysen in Plasmaproben, wo die Aktivitätskonzentration nach Verdünnung und Zerfall sehr niedrig sein kann. Für Standard-QC-Freigaben ist ein LOQ von 1.000 Bq in der Regel ausreichend.
Brauche ich für den Plastikszintillator eine Bleiabschirmung?
Nein, das ist einer der entscheidenden Vorteile. Betapartikel werden bereits vom Detektormaterial selbst gestoppt. Umgebungsgammastrahlung wechselwirkt kaum mit dem Plastikszintillator. Eine dünne Gehäuseabschirmung ist in der Regel ausreichend.
Welche Hersteller bieten Koinzidenzdetektoren für Radio-HPLC an?
Bekannte Anbieter sind LabLogic (Beta-RAM mit Koinzidenzoption), Berthold Technologies (FlowStar²) und Elysia-Raytest. Die genauen Konfigurationen und verfügbaren Messmodi variieren je nach Modell, eine Beratung durch den Hersteller ist vor der Kaufentscheidung empfehlenswert.
Quellen
- Wikipedia, By Jens Maus, Public Domain, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=379922
- N. Gillings et al. (2020): EANM guideline on the validation of analytical methods for radiopharmaceuticals. EINMMI Radiopharmacy and Chemistry. DOI: 10.1186/s41181-019-0086-z
- European Pharmacopoeia (Ph. Eur.) Chapter 2.2.66: Detection and Measurement of Radioactivity
- D. Franck. et al. (2009): Faster analysis of radiopharmaceuticals using ultra performance liquid chromatography (UPLC®) in combination with low volume radio flow cell, Applied Radiation and Isotopes. DOI: 10.1016/j.apradiso.2009.02.077
- D. Thonon et al. (2013): Evaluation of an unshielded luminescence flow-through radio-HPLC detector for LC quality control and preparation of PET radiopharmaceuticals. Applied Radiation and Isotopes. DOI: 10.1016/j.apradiso.2012.10.015
- Berthold Koinzidenzdetektoren Datenblatt: FlowStar² LB 514 Brochure
- Elysia-Raytest Koinzidenzdetektoren Datenblatt: Ramona Star
- Elysia-Raytest Datenblatt: POMO Nova
Über den Autor

Dominic Franck ist HPLC-Spezialist mit über 15 Jahren Erfahrung in der Pharma- und Radiopharmaindustrie und Gründer der HPLC-Academy. Die Grundlagen der Radio-HPLC hat er vor über 11 Jahren an der University of Cambridge und ETH Zürich gelernt Seitdem hat er seine Kenntnisse weiterentwickelt und Veröffentlichungen zu diesem Thema verfasst. Er war Abteilungsleiter Analytik und hat zahlreiche HPLC-Validierungen und Audits begleitet. Er vermittelt auf seinem YouTube-Kanal praxisnah den Umgang mit der HPLC und verrät die Tricks und Kniffe beim Troubleshooting. Mit der HPLC-Academy und dem spezialisierten Radio-HPLC-Modul hilft er User, Analytiker und QC-Leiter, ihre Methoden beim ersten Anlauf zu entwickeln, optimieren, validieren und Audits mit Zuversicht zu bestehen.
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Zuletzt aktualisiert: Oktober 2026
