Deine HPLC-Anlage abschalten für längeren Stillstand bedarf mehrerer Schritte. Es müssen Puffer und Salze aus den betroffenen Flusswegen entfernt werden. Säule, System und Detektoren werden anschließend nach den jeweiligen Herstellerangaben gespült und gelagert. Standard-Lagerung oft auf Isopropanol (so wie die HPLC-Anlage geliefert wird), aber eine universelle Lösungsmittelfolge gibt es nicht: Säulentyp, verwendete mobile Phase, Gerät und Detektor bestimmen das Vorgehen.
Wenn du deine HPLC-Anlage bei längerem Stillstand vorbereitest, reicht es nicht, das Gerät einfach auszuschalten. Pufferreste können auskristallisieren, stehende wässrige Lösungen können mikrobielles Wachstum begünstigen und eine ungeeignete Lagerung kann Säule oder Komponenten beeinträchtigen. Diese Schritt-für-Schritt-Anleitung führt dich durch die wichtigsten Schritte für Säule, Flusswege und Detektoren. Sie ersetzt nicht die Geräteanleitung, die Säulenanleitung oder eure Labor-SOP.
Inhaltsverzeichnis
Wie lange gilt als längerer Stillstand?
Dafür gibt es keine einheitliche Zeitgrenze. Die Hersteller setzen unterschiedliche Schwellen und unterscheiden je nach Gerätemodell zwischen kurzfristigem und längerem Shutdown. Waters beschreibt eine Vorgehensweise für mehr als 24 Stunden. [1] Agilent unterscheidet in einer allgemeinen Anleitung zwischen weniger als einer Woche und mehr als einer Woche. [2] Thermo Fisher beschreibt getrennte Verfahren für 24 Stunden bis zwei Wochen und für mehr als zwei Wochen. [3] Diese Beispiele sind nicht direkt übertragbar: Maßgeblich ist immer die Anleitung für dein konkretes Gerät und seine Komponenten.
Warum muss eine HPLC-Anlage vor dem Abschalten gespült werden?
Wenn eine HPLC-Anlage längere Zeit nicht verwendet wird, können Rückstände Probleme verursachen:
- Puffersalze können ausfallen. Kristalle können Kapillaren, Ventile, Fritten oder die Detektorzelle beeinträchtigen.
- Wässrige Rückstände können mikrobielles Wachstum begünstigen. Das Risiko hängt unter anderem von Lösung, Temperatur und Dauer ab.
- Säulen können Schaden nehmen. Eine ungeeignete mobile Phase, Austrocknung oder ein nicht kompatibles Lagerlösungsmittel kann die Säulenleistung beeinträchtigen.
- Lösungsmittelreste können Komponenten belasten. Autosampler, Pumpen, Waschwege und Detektoren haben eigene Anforderungen.
Die Herstelleranleitungen verdeutlichen, dass die Reihenfolge nicht pauschal festgelegt werden kann. Agilent unterscheidet beispielsweise zwischen Reversed-Phase- und Normal-Phase-Systemen. Thermo Fisher beschreibt Säule und System getrennt. Übernimm daher keine Lösungsmittelfolge aus einer Anleitung für ein anderes Modell oder eine andere Anwendung.
Schritt 1: Lauf beenden und Labor vorbereiten
- Beende die aktuelle Sequenz und nimm alle Proben und Standards aus dem Autosampler.
- Lagere Proben ein oder entsorge sie gemäß den Laborrichtlinien.
- Prüfe die Abfallgefäße und entleere sie bei Bedarf. Stelle sicher, dass während der Spülung ausreichend Platz für Flüssigabfälle vorhanden ist.
- Prüfe nach, welche mobile Phase und welche Additive zuletzt verwendet wurden. Das ist besonders wichtig, wenn Puffer, Salze oder nichtflüchtige Zusätze im Spiel waren.
- Prüfe die Geräteanleitung und eure SOP, bevor du Lösungsmittel wechselst oder das System abschaltest.

Schritt 2: Säule pufferfrei spülen und für die Lagerung vorbereiten
Die Säule braucht eine Lagerung, die zu ihrer stationären Phase passt. Verwende dafür die Empfehlungen des Säulenherstellers. Eine pauschale Empfehlung wie „jede C18-Säule mit 100 Prozent Acetonitril lagern“ ist nicht zuverlässig.
Wenn zuvor mit Puffer gearbeitet wurde, darfst du nicht direkt auf einen hohen Anteil organischen Lösungsmittels wechseln. Puffersalze können im organischen Lösungsmittel ausfallen. Entferne den Puffer deshalb zuerst mit einer geeigneten, pufferfreien wässrigen Phase (z.B. 5% Acetonitril in Wasser) oder einer vom Hersteller empfohlenen Übergangslösung.
Für eine Reversed-Phase-Säule kann das zum Beispiel eine wässrige mobile Phase mit einem passenden organischen Anteil sein. Ob die Säule reines Wasser verträgt und welches Lagerlösungsmittel geeignet ist, hängt jedoch vom konkreten Säulenmaterial ab. Manche Säulen dürfen nicht mit 100 Prozent Wasser betrieben oder gelagert werden. HILIC-, SEC-, Mixed-Mode- und andere Spezialsäulen können abweichende Bedingungen erfordern.
Wenn die Säule ausgebaut wird:
- Spüle sie nur mit einer für Säule und Methode geeigneten Lösung, bis Puffer und nichtflüchtige Rückstände entfernt sind.
- Überführe sie nach Herstellerangabe in das vorgesehene Lagerlösungsmittel.
- Baue sie aus und verschließe Ein- und Ausgang mit den vorgesehenen Endkappen, damit sie nicht austrocknet.
- Beschrifte die Säule mit Lagerlösungsmittel und Datum.
Schritt 3: HPLC-System ohne Säule spülen
Wenn du die Säule ausbaust, wird der Flussweg üblicherweise mit einer passenden Verbindung (Bridge) überbrückt. So kann das System unabhängig von der Säule gespült werden.
Bei einem typischen Reversed-Phase-System mit Puffer gilt als allgemeines Prinzip: zuerst Puffer und Salze entfernen, danach auf ein kompatibles organisches Lagerlösungsmittel wechseln. Die konkreten Lösungsmittel, Mischungsverhältnisse, Flussraten und Spülzeiten sind gerätespezifisch.
Achte besonders auf folgende Punkte:
- Spüle die Lösungsmittelkanäle gemäß Geräteanleitung. Eine Purge-Funktion kann erforderlich sein, damit jeder Kanal ausreichend gespült wird. Verlasse dich nicht darauf, dass eine gemischte mobile Phase alle Kanäle und Flusswege erreicht.
- Erreiche alle relevanten Flusswege. Je nach System können Ventilpositionen oder ein Bypass-Schritt nötig sein.
- Wechsle Lösungsmittel kontrolliert. Prüfe vor dem Wechsel, ob die Lösungsmittel miteinander mischbar und für Pumpe, Dichtungen, Leitungen und weitere Komponenten zugelassen sind.
- Beachte die Viskosität und den Druck. Isopropanol ist viskoser als Acetonitril. Verwende nur eine für Gerät und Lösungsmittel freigegebene Flussrate und überwache den Druck.
- Behandle Normal-Phase-Systeme anders. Wasser ist nicht automatisch ein geeigneter Spülschritt. Halte dich an die für die verwendeten Lösungsmittel und das jeweilige System freigegebene Übergangs- und Lagerprozedur.
Wichtig: „Am Ende immer 100 Prozent IPA“ ist keine allgemeingültige Regel. Hersteller empfehlen je nach Modell, Anwendung und Flussweg unterschiedliche Lösungen. Die Anleitung des Geräts und die Freigaben der Komponenten haben Vorrang.
Schritt 4: Alle Komponenten und Flusswege berücksichtigen
Lösungsmittel können in Bereichen zurückbleiben, die bei einer einfachen Spülung der Pumpenkanäle nicht vollständig erreicht werden. Prüfe daher die tatsächlich vorhandenen Komponenten und deren Spülwege:
- Autosampler: Injektionsventil, Probenschleife, Nadel und Nadelwaschweg nach Handbuch spülen. Ein Wechsel zwischen Haupt- und Bypass-Flussweg kann bei manchen Systemen erforderlich sein.
- Pumpe: Purge-Ventil, Mischkammer und Pumpenköpfe berücksichtigen. Falls vorhanden, das Seal-Wash-System separat nach Herstellervorgabe behandeln.
- Säulenofen und Umschaltventile: Kapillaren und Ventile berücksichtigen. Beim Ausbau der Säule eine geeignete Verbindung einsetzen, wenn das Handbuch dies vorsieht.
- Detektor: Durchflusszelle und vorgeschaltete Kapillaren mit einer für das jeweilige Modell zugelassenen Lösung spülen.
- Zusätzliche Komponenten: Vorsäulen, Inline-Filter, Ventile und weitere Module nicht vergessen.
Nicht alle Komponenten vertragen dieselben Lösungsmittel. Prüfe deshalb vor dem Spülen die Freigaben aller Teile im Flussweg.
Schritt 5: Detektoren nach ihrem Typ behandeln
UV-, VWD- und DAD/PDA-Detektoren
Entferne Puffer und Additive aus der Durchflusszelle. Spüle die Zelle anschließend nur mit einer für das Detektormodell freigegebenen Lösung. Schalte die Lampe nach Herstellervorgabe aus. Waters beschreibt für das Alliance-iS-System beispielsweise das Ausschalten der UV-Lampe, das Entfernen von Salzen mit Wasser und ein anschließendes Spülen der Zelle mit organischem Lösungsmittel. Das ist ein modellbezogenes Beispiel und keine pauschale Prozedur für alle Detektoren.
Fluoreszenzdetektor
Spüle die Zelle mit einer kompatiblen Lösung und schalte die Lichtquelle nach Handbuch aus. Bei derivatisierenden Methoden können zusätzliche Reinigungsschritte erforderlich sein.
Brechungsindexdetektor (RI)
Übernimm nicht einfach die Spülregeln eines UV-Detektors. Lösungsmittelwechsel und Luftblasen können die Basislinie beeinflussen. Verwende ausschließlich freigegebene Lösungsmittel und folge der Anleitung für das konkrete RI-Modell.
👉 Den richtigen HPLC-Detektor auswählen: Entscheidungshilfe →
ELSD und CAD
Entferne Rückstände nichtflüchtiger Puffer und Salze. Reinige Nebulizer und Verdampfer nach Herstellervorgabe und führe die vorgeschriebene Trocknungs- oder Standby-Prozedur aus. Beachte auch die gerätespezifischen Vorgaben für Gasversorgung und Abschaltung.
LC-MS
Verwende nicht einfach die allgemeine HPLC-Spülfolge. Nichtflüchtige Puffer und Additive müssen aus den relevanten LC- und MS-Flusswegen entfernt werden. Für Ionenquelle, Gasversorgung und Vakuum gelten eigene herstellerspezifische Shutdown-Schritte.
Leitfähigkeits- und elektrochemische Detektoren
Nutze ausschließlich die für das Modell und die Elektroden vorgesehene Spül- und Lagerprozedur. Behandle Elektroden nicht ohne ausdrückliche Freigabe mit organischen Lösungsmitteln.
Checkliste: HPLC-Anlage vor dem Abschalten
- Lauf beendet, Proben und Standards aus dem Autosampler entfernt
- Letzte mobile Phase und Additive geprüft
- Puffer und Salze aus den dafür vorgesehenen Flusswegen entfernt
- Säule nach ihrer Anleitung gespült, gelagert und verschlossen
- Säule bei Bedarf ausgebaut und durch eine geeignete Union oder Bridge ersetzt
- Injektorventil, Probenschleife und Waschwege berücksichtigt
- Pumpe, Purge-Ventil und Seal-Wash-System nach Handbuch behandelt
- Detektorzelle gereinigt und Lampe, Gas oder Standby-Modus korrekt behandelt
- Lösungsmittel, Abfallgefäße und Entsorgung geprüft
- Lösungsmittelleitungen vor Staub geschützt, sofern vom Hersteller vorgesehen
- System und PC gemäß Geräteanleitung heruntergefahren
- Verwendetes Lagerlösungsmittel und Datum dokumentiert
HPLC-Anlage abschalten: die drei wichtigsten Schritte
- Säule schützen: Puffer entfernen und die Säule mit dem für genau diesen Säulentyp empfohlenen Lösungsmittel lagern.
- System spülen: Salz- und Pufferreste aus den relevanten Flusswegen entfernen und das System mit einem kompatiblen Lösungsmittel nach Herstellervorgabe vorbereiten.
- Detektoren separat behandeln: Durchflusszellen, Lampen, Gasversorgung und weitere Komponenten nach der jeweiligen Geräteanleitung reinigen und abschalten.
Häufige Fragen zum HPLC-Shutdown
Kann ich eine HPLC-Anlage einfach ausschalten?
Bei einem längeren Stillstand solltest du die Anlage nicht einfach ungereinigt abschalten. Prüfe die Geräteanleitung und entferne insbesondere Puffer- und Salzreste aus den relevanten Flusswegen. Welche weiteren Schritte nötig sind, hängt von Gerät, Säule, mobiler Phase und Detektor ab.
Muss ich am Ende immer mit Isopropanol spülen?
Nein. Isopropanol ist keine universelle Abschlusslösung. Die geeignete Lösung hängt unter anderem von der aktuellen mobilen Phase, der Mischbarkeit und den Materialfreigaben des Systems ab. Verwende nur die vom Geräte- und Komponentenhersteller zugelassenen Lösungsmittel.
Wie lagere ich eine HPLC-Säule bei längerem Stillstand?
Richte dich nach der Anleitung des Säulenherstellers. Entferne Puffer vor dem Wechsel in ein organisches Lagerlösungsmittel mit einer geeigneten, pufferfreien Übergangslösung. Lagerlösungsmittel und zulässiger Wasseranteil hängen vom Säulenmaterial ab.
Ab wann gilt ein Stillstand als langfristig?
Dafür gibt es keine einheitliche Grenze. Die verlinkten Herstellerbeispiele verwenden unterschiedliche Zeiträume. Entscheidend ist daher die Anleitung für dein konkretes System und die Vorgaben eurer Labor-SOP.
Die Analyse ist um 16 Uhr fertig und ich will morgen wieder arbeiten. Muss ich dann umspülen?
Nein. Du kannst die HPLC mit kleinem Fluss über Nacht laufen lassen oder spülst in „Shutdown-Methode“ deine Säule um, falls du am nächsten Tag mit einer anderen Säule arbeiten möchtest. Kurzer Stillstand von < 24 Stunden sind nicht kritisch.
Fazit
Eine HPLC-Anlage bei längerem Stillstand richtig abzuschalten bedeutet, Säule, System und Detektoren getrennt zu betrachten. Entferne Puffer und Salze, verwende nur kompatible Spüllösungen und lagere jede Komponente nach ihrer eigenen Herstelleranleitung. Eine pauschale Regel wie „Wasser, dann IPA“ kann wichtige Unterschiede zwischen Säulen, Systemen und Detektoren übersehen.
Hinweis: Dieser Beitrag bietet eine allgemeine Orientierung. Herstelleranleitungen und die freigegebene Labor-SOP für dein konkretes HPLC-System haben immer Vorrang.
Quellen
- Waters: Shutting down for more than 24 hours; https://help.waters.com (abgerufen: 30.09.2026)
- Agilent: Preparing Your HPLC System for Short-Term and Long-Term Shutdown; https://community.agilent.com (abgerufen: 30.09.2026)
- ThermoFisher: Leaving the Lab for Time Off Means Recovery Time for You and Your HPLC Instrument; https://www.thermofisher.com (abgerufen: 30.09.2026)
Über den Autor

Dominic Franck ist HPLC-Spezialist mit über 15 Jahren Erfahrung in der Pharma- und Radiopharmaindustrie und Gründer der HPLC-Academy. Die Grundlagen der Radio-HPLC hat er vor über 11 Jahren an der University of Cambridge und ETH Zürich gelernt Seitdem hat er seine Kenntnisse weiterentwickelt und Veröffentlichungen zu diesem Thema verfasst. Er war Abteilungsleiter Analytik und hat zahlreiche HPLC-Validierungen und Audits begleitet. Er vermittelt auf seinem YouTube-Kanal praxisnah den Umgang mit der HPLC und verrät die Tricks und Kniffe beim Troubleshooting. Mit der HPLC-Academy und dem spezialisierten Radio-HPLC-Modul hilft er User, Analytiker und QC-Leiter, ihre Methoden beim ersten Anlauf zu entwickeln, optimieren, validieren und Audits mit Zuversicht zu bestehen.
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Zuletzt aktualisiert: September 2026
